Wie du als Zeuge von häuslicher Gewalt gegen Frauen und Mädchen helfen kannst

Der 25. November ist der Internationale Tag zu Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Auf Social Media wird dazu aufgerufen, gegen Gewalt online zu demonstrieren, Telefonnummern werden gepostet, Zahlen veröffentlicht und kollektiv die Täter verurteilt. So weit so richtig.

Aber ist das alles, was man tun kann?

Nein. Als außenstehende Person muss man verstehen, dass die meisten Frauen Zugriff auf diese Telefonnummern etc. haben. Woran es scheitern kann, einfach vom gewalttätigen Partner zu gehen, ist Angst.

Das bedeutet nicht, dass es Frauen nicht geschafft haben zu gehen oder sich zu wehren. Aber ein gewalttätiger Partner kann es schaffen (ob physisch, psychisch oder beides), u. a. manipulativ auf die Opfer einzuwirken und eine diffuse Angst vor Rache zu erwecken, wenn man die Beziehung beendet. Auch die Täter-Opfer-Umkehr oder Co-Abhängigkeit können mit reinspielen.

Bystander-Effekt

Der Bystander-Effekt besagt, dass man sich als einzelne Person unter mehreren Zeugen fälschlicherweise darauf verlässt, dass jemand anderes eingreifen wird. Daher findet dieser Effekt bei sämtlichen Gewalttaten und Übergriffen statt. Ob man nun als Nachbar:in etwas hört, bei einem Besuch im Nebenzimmer mitbekommt oder in der Öffentlichkeit sieht: mach dir klar, dass es ein Trugschluss sein kann, dass schon jemand anderes etwas macht. Denn mit steigender Zeugenzahl sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass jemand Hilfe holt.

Mit dem Opfer sprechen

Bitte sprich das Opfer an, wenn du etwas mitbekommst und biete eine konkrete Hilfestellung (z. B. Frauenhaus) an. Die Wahrscheinlichkeit existiert, dass das Opfer aus Scham und Angst nicht aktiv nach Hilfe sucht und daher auf Zivilcourage von anderen angewiesen ist.

…auch mit dem Täter sprechen?

Bitte frag hier konkret die betroffene Person vorher, um die Dynamik innerhalb der Beziehung oder Familie zu verstehen. Im schlimmsten Fall kann es zu Unterstellungen vom Täter gegenüber das Opfer kommen („Hast du den Nachbarn gegen mich aufgestachelt?“).

Abwarten und Tee trinken?

Jein. Die Wahrscheinlichkeit ist da, dass die betroffene Person ablehnt, wenn ihr Hilfe angeboten wird. Die Wahrscheinlichkeit ist auch da, dass die Situationen runtergespielt wird oder sie sich selbst die Schuld gibt. Natürlich sollst du niemanden in einen en Frauenhaus zwingen, aber sei für die betroffene Person da und hake es nicht ab. Es ist möglich, dass sie länger braucht, um zu gehen. ABER: wenn du als Nachbar:in hörst, dass jemand akut in einer Notsituation ist, rufe die Polizei (110).

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